ZÖRbio übergibt erste Beschwerden an LVwA Halle 18.12.2014

Zörbiger beschweren sich über Gestank

Seit Sommer 2010 wird das Gebiet in und um Zörbig immer wieder mit unerträglichem Gestank aus den Produktionsanlagen der Firma Verbio überzogen. Sowohl die Betreiberfirma als auch die Behörden waren bisher nicht in der Lage, diesem Dauerärgernis Einhalt zu gebieten. Die rund 5.000 betroffenen Bürger werden nach wie vor nur vertröstet, beschwichtigt und nicht ernst genommen. Dabei ist bereits im Genehmigungsbescheid von 2009 ganz klar vorgeschrieben: „Die Anlage … ist so zu betreiben, dass zu keiner Zeit ekelerregende oder Übelkeit auslösende Gerüche in der Nachbarschaft auftreten.“ Dem muss man nichts hinzufügen, dass ist, was wir erwarten!

Eine Anfrage unserer Landesregierung an das zuständige Landesverwaltungsamt (LVwA) hat ergeben, dass zur Geruchsbelästigung durch Verbio nur einige wenige Beschwerden vorlagen. Offensichtlich wurden unsere jahrelangen Aktivitäten als Bürgerinitiative nicht, oder nur als eine Beschwerde gewertet. Darum haben wir eine Unterschriftensammlung initiiert, bei der sich betroffene Menschen beim LVwA beschweren können. Innerhalb weniger Tage sammelten wir 367 Beschwerden ein, die wir persönlich in Halle am 18.12.2014 überreichten. Wir bedanken uns bei allen, die bereits mit Ihrem Namen und Ihrer Unterschrift Flagge gezeigt haben für saubere Luft in unserer Heimatstadt. Diese 367 Beschwerden stellen derzeit nur eine Momentaufnahme dar.

Es bleibt zu befürchten, dass Geruchsbelästigungen durch die Anlagen der Verbio AG, die bereits jetzt zu den größten industriellen Biogasanlagen in Deutschland gehören, mit der genehmigten Kapazitätserweiterung von täglich 47 t auf 2.700 t Rohstoff weitergehen werden. Daran wird auch der Bau der 2. Abgasaufarbeitungsanlage (RTO) und ein um 10 m erhöhter Schlot wenig ändern.

ZÖRbio Mitglieder übergaben persönlich die gesammelten Beschwerden in Halle (Foto: Ronny Schneider)

Ausgesprochen interessant waren die unterschiedlichen Reaktionen auf die von uns verteilten Beschwerdeschreiben:

1.) So sprach mich eine junge Frau an, ob mir überhaupt klar sei, dass wir mit solchen Aktivitäten „Arbeitsplätze in Gefahr bringen?“ Dabei sind wir gar nicht in der Lage, Arbeitsplätze zu gefährden. Das können nur verantwortungslose Unternehmer, denen Gewinnmaximierung wichtiger ist, als die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften, die Schaffung akzeptabler Arbeitsbedingungen für die eigenen Mitarbeiter und das berechtigte Interesse der Bevölkerung an sauberer Luft!

2.) Man merkte auch, dass Mitarbeiter und auch Auftragnehmer von Verbio sich sehr ängstlich verhalten haben, genauso wie Mieter, die z.B. in den Neubauten in der Jeßnitzer Straße wohnen. Hierzu ist anzumerken, dass das LVwA, gemäß den gesetzlichen Datenschutzbestimmungen, selbstverständlich nicht einen einzigen Namen weitergeben darf. Das hat uns diese Behörde schriftlich bestätigt.

3.) Es wurde auch deutlich, dass Verbio-Geruch längst kein reines Zörbiger Problem mehr ist. Beschwerden kamen auch aus Löberitz, Schrenz, Prussendorf, Halle, Köthen, Dessau und sogar aus dem Ruhrgebiet. Auch wenn man zur Arbeit in oder durch unseren Ort fährt, bzw. hier Eltern und Freunde besucht, ist der Gestank schlimm.

Ausdrücklich um Verständnis bitten wir hiermit alle, die wir in der Kürze der Zeit mit der Aktion nicht persönlich zu dem Beschwerdeschreiben ansprechen konnten. Interessierte können sich jederzeit von unserer Homepage das Beschwerdeformular herunter laden und komplett ausgefüllte und unterschriebene Beschwerden auch gerne weiterhin im Mobilfunkgeschäft „Subhandy“ Nentwig in Zörbig, Markt 9 abgeben.

Formular für Beschwerde beim LVwA

i.A. Torsten Gieseke
ZÖRbio – Aktion saubere Luft