Gibt es eigentlich in Zörbig noch Gestank? 12.10.2015

Viele Bürger in und um Zörbig hatten ja bekanntlich unter den Abgasen des Biogasproduzenten Verbio zu leiden. Im Frühjahr 2015 sah sich das Unternehmen dann nach massivem Druck veranlasst, zusätzlich in Luftreinhaltungsmaßnahmen zu investieren. Man erinnert sich sicher noch an die vollmundig angekündigte zweite Abgasbehandlungsanlage RTO II und den dabei höher errichteten Abgasschlot.

Als Sprecher der Bürgerinitiative ZÖRbio wurde ich seitdem von interessierten Bürgern, der Regionalzeitung, dem Regionalen Radio und Kommunalpolitikern angesprochen, wie sich denn die Situation mit dem Gestank seit den Baumaßnahmen entwickelt habe. Aus eigenem Erleben konnte ich berichten, dass sich sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität der Gestanksereignisse seitdem reduziert haben. Also alles so weit im Lot mit Verbio? Mitnichten!

Auffallend ist, dass sich niemand vom Landesverwaltungsamt in Halle (LvWA), immerhin aufsichtführende und genehmigende Behörde für Verbio, auch nur ansatzweise bei unserer Bürgerinitiative erkundigt hat, wie denn die Situation nach dem Umbau sei. Im Gegenteil, trotz mehrfacher Beschwerden an die zuständige Behördenmitarbeiterin in Halle, verlautete immer echte Verwunderung, dass es also noch immer stinke!?! Auch auf diesem Wege noch mal die deutliche Aussage:
JA, ES STINKT WEITERHIN VON VERBIO.
Sollte Zörbig einmal längere Zeit vom Gestank verschont bleiben, dann liegt das nach unserer Meinung  nicht an einer besonders umweltfreundlichen Arbeitsweise des örtlichen Biogasproduzenten, sondern an für uns günstigen Winden. Diese blasen die stinkenden und schädlichen Abgase dann in Richtung Großzöberitz, Heideloh oder Löberitz.

Es häufen sich Informationen, dass Bürger nicht nur unter dem Gestank von Verbio leiden, sondern sogar gesundheitliche Beschwerden haben. Ob Kopfschmerzen, Augenreizungen, pelziger Belag auf der Zunge, Atembeschwerden, Husten, Brechreiz – die Liste ist lang. Es sei auch hier noch mal darauf verwiesen, dass Verbio zu keinem Zeitpunkt Übelkeit und Ekel erregende Abgase freisetzen darf! Für das LvWA in Halle ist dies aber bisher offensichtlich noch kein wirklicher Grund zum zielführenden Handeln. Noch dazu, da auch das übergeordnete Magdeburger Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt mit der Arbeit in Halle zufrieden scheint.

Wenn überhaupt, dann erfährt man von den Behörden lapidare Informationen, dass z.B. mal eben eine Dichtung bei Verbio defekt gewesen sei, diese aber umgehend ersetzt wurde. Wie kann es sein, dass Verbio Anfang Oktober die Behörden lapidar informiert, dass Gestank austreten könnte, weil Wartungsarbeiten an der alten RTO anstehen. Die zweite RTO wurde doch als redundante Anlage für Störungen und Wartungen als Backup konzipiert. Warum hat allein das keine Konsequenzen?

Trauriger Höhepunkt der Gestankssituation in Zörbig ist, dass ein Rentnerehepaar inzwischen resigniert hat. Über Jahrzehnte hatte sich das Paar am Stadtrand von Zörbig ein schmuckes Heim für den Ruhestand geschaffen. Da die Beiden mit dem immer wiederkehrenden Gestank nicht mehr leben können, haben diese an den Geschäftsführer von Verbio in Zörbig einen verzweifelten Brief geschrieben. Darin bitten Sie, dass Verbio Ihnen Ihr Haus abkaufen möge, damit sie anderswo in eine kleine Wohnung ziehen können. Das ist äußerst bitter, wenn sich alteingesessene Bürger unserer Stadt wegen dem Verbio Gestank zum Wegzug aus unserer Stadt genötigt fühlen!

verzweifeltes Ehepaar bietet Verbio Haus an